Für die kommunale Wärmeplanung wurden verschiedene Zukunftsszenarien betrachtet. Sie zeigen, wie sich die Wärmeversorgung in Wendeburg bis zum Jahr 2040 entwickeln könnte – abhängig davon, wie schnell Gebäude saniert, Heizungen ausgetauscht und erneuerbare Wärmequellen genutzt werden.
Warum wurden Szenarien entwickelt?
- Die Szenarien zeigen mögliche Wege in Richtung klimaneutraler Wärmeversorgung.
- Sie helfen einzuschätzen, welche Technologien künftig eine größere Rolle spielen könnten.
- Betrachtet wurden unter anderem:
- energetische Gebäudesanierungen,
- der Austausch alter Heizungen,
- der Einsatz von Wärmepumpen,
- mögliche Wärmenetze,
- grüne Gase,
- Kostenentwicklungen und CO₂-Preise.
- Die Szenarien sind keine festen Vorhersagen.
- Sie zeigen vielmehr, welche Entwicklungen unter bestimmten Annahmen möglich wären.
- Daraus wurde ein Zielszenario für Wendeburg abgeleitet.
Gebäudesanierung senkt den Wärmebedarf – ersetzt aber nicht die Heizungsumstellung
- Für die Szenarien wurde eine konservative jährliche Sanierungsrate von 1 Prozent angenommen.
- Das bedeutet: Jedes Jahr wird rechnerisch etwa 1 Prozent des Gebäudebestands energetisch saniert.
- Durch Sanierungen kann der Wärmebedarf langfristig sinken.
- In vielen Baublöcken liegt das mögliche Einsparpotenzial bis 2045 überwiegend im Bereich von 10 bis 20 Prozent.
- Höhere Einsparpotenziale treten nur punktuell auf.
- Das zeigt: Energetische Sanierungen sind wichtig, reichen allein aber nicht aus.
- Zusätzlich braucht es den Umstieg auf erneuerbare Heizsysteme und effiziente Versorgungslösungen.

Der Heizungstausch muss deutlich schneller werden
- In Wendeburg werden aktuell 4.368 Gebäude noch mit fossilen Energieträgern beheizt.
- Für diese Gebäude besteht bis 2040 grundsätzlich Handlungsbedarf.
- Derzeit werden jährlich nur rund 0,8 Prozent der Heizungsanlagen ausgetauscht.
- Wenn dieses Tempo gleich bliebe, wären bis 2040 nur rund 21 Prozent der heute fossil beheizten Gebäude umgerüstet.
- Für eine vollständige Umstellung bis 2040 wäre eine jährliche Umrüstungsrate von rund 6,7 Prozent nötig.
- Das entspricht etwa 303 Gebäuden pro Jahr.
- Besonders deutlich wird der Handlungsbedarf beim Blick auf das Heizungsalter:
- Bis 2030 werden die Heizungen von 913 Gebäuden älter als 30 Jahre sein.
- Bis 2040 betrifft das 2.043 Gebäude.
- Deshalb ist eine frühzeitige Planung wichtig, damit Heizungen nicht erst im Notfall ersetzt werden müssen.

Szenario 1: Weiter wie bisher reicht nicht aus
- Das Business-as-usual-Szenario zeigt, was passiert, wenn sich heutige Entwicklungen weitgehend unverändert fortsetzen.
- Fossile Heizungen bleiben in diesem Szenario lange dominierend.
- Wärmepumpen nehmen zwar langsam zu, verändern die Wärmeversorgung aber nicht ausreichend.
- Bis 2040 wären nur rund 22 Prozent der Gebäude GEG-konform versorgt.
- Eine klimaneutrale Wärmeversorgung wird in diesem Szenario nicht erreicht.
- Die Aussage ist klar: Ohne zusätzliche Anstrengungen reicht das bisherige Tempo nicht aus.

Szenario 2: Kosteneffizienz bringt Fortschritte, aber nicht sicher Klimaneutralität
- Im Kosteneffizienz-Szenario entscheiden sich Eigentümerinnen und Eigentümer vor allem für die langfristig wirtschaftlichste Lösung.
- Wärmepumpen setzen sich in diesem Szenario deutlich stärker durch.
- Bis 2040 würden rund 69 Prozent der Gebäude mit Wärmepumpen versorgt.
- Ölheizungen verschwinden in diesem Szenario nahezu vollständig.
- Gasheizungen gehen deutlich zurück, bleiben aber teilweise bestehen.
- Bis 2040 wären rund 84 Prozent der Gebäude GEG-konform.
- Die mittleren jährlichen Heizkosten je Gebäude sinken in diesem Szenario rechnerisch gegenüber dem heutigen Stand.
- Trotzdem wird keine vollständige Klimaneutralität bis 2040 erreicht.
Szenario 3: Wärmenetze können in geeigneten Bereichen ergänzen
- Im Wärmenetz-Szenario werden in geeigneten Fokusgebieten Wärmenetze aufgebaut oder erweitert.
- Wärmenetze kommen vor allem dort infrage, wo viele Gebäude auf engem Raum viel Wärme benötigen.
- Außerhalb dieser Gebiete werden überwiegend dezentrale erneuerbare Heizsysteme eingesetzt.
- Auch in diesem Szenario werden Wärmepumpen zur wichtigsten Technologie.
- Bis 2040 würden rund 79 Prozent der Gebäude mit Wärmepumpen versorgt.
- Gebäude- oder Wärmenetze erreichen einen Anteil von rund 9 Prozent der Gebäude.
- Fossile Gas- und Ölheizungen verschwinden bis 2040 vollständig.
- Das Szenario erreicht eine GEG-konforme Wärmeversorgung.
- Wärmenetze können besonders dort sinnvoll sein, wo sie technisch, wirtschaftlich und organisatorisch tragfähig sind.
Szenario 4: Dezentrale Lösungen als realistischer Hauptweg
- Im dezentralen Szenario wird kein weiterer Ausbau von Wärmenetzen angenommen.
- Die Wärmeversorgung wird überwiegend auf Ebene der einzelnen Gebäude umgestellt.
- Wärmepumpen werden in diesem Szenario zur klar dominierenden Technologie.
- Bis 2040 würden rund 85 Prozent der Gebäude mit Wärmepumpen versorgt.
- Fossile Gas- und Ölheizungen verschwinden bis 2040 vollständig.
- Wärmenetze spielen in diesem Szenario kaum eine Rolle.
- Eine klimaneutrale Wärmeversorgung kann auch auf diesem Weg erreicht werden.
- Gleichzeitig steigen die Anforderungen an das Stromnetz, weil viele Heizungen künftig elektrisch betrieben werden.
- Für Eigentümerinnen und Eigentümer bedeutet dieses Szenario: Die eigene
- Entscheidung zum Gebäude und zur Heizung wird besonders wichtig.

Szenario 5: Grüne Gase bleiben mit Unsicherheiten verbunden
- Im Grüne-Gase-Szenario wird angenommen, dass ein Teil der Gasinfrastruktur langfristig weiter genutzt wird.
- Fossiles Erdgas würde dabei schrittweise durch erneuerbare oder klimaarme Gase ersetzt.
- Dazu zählen zum Beispiel Biomethan oder synthetische Gase.
- Bis 2040 würden erneuerbare Gasheizungen in diesem Szenario einen hohen Anteil erreichen.
- Gleichzeitig steigt auch der Anteil der Wärmepumpen.
- Das Szenario ist grundsätzlich denkbar, aber mit großen Unsicherheiten verbunden.
- Unklar ist vor allem:
- wie viel grünes Gas künftig tatsächlich verfügbar sein wird,
- wie teuer diese Energieträger sein werden,
- ob sie vorrangig in Gebäuden oder eher in Industrie und Verkehr eingesetzt werden.
- Deshalb wird dieses Szenario nicht als wahrscheinlichster Entwicklungspfad für Wendeburg bewertet.
Vergleich der Szenarien: Was ist für Wendeburg besonders wichtig?
- Das Weiter-wie-bisher-Szenario reicht nicht aus.
- Eine rein kosteneffiziente Entwicklung bringt deutliche Fortschritte, erreicht aber nicht sicher die Klimaziele.
- Bürgerschaftliche Wärmenetze können in einzelnen geeigneten Bereichen sinnvoll sein.
- Für den Großteil der Gemeinde erscheint eine dezentrale Wärmeversorgung realistischer.
- Wärmepumpen spielen in fast allen zielkonformen Szenarien eine zentrale Rolle.
- Grüne Gase sind mit zu großen Unsicherheiten verbunden, um als Hauptlösung für die Gebäudeheizung zu gelten.
- Entscheidend sind:
- rechtzeitige Gebäudesanierungen,
- schnellere Heizungsumstellungen,
- ausreichende Handwerkskapazitäten,
- passende Förderprogramme,
- ein leistungsfähiges Stromnetz,
- Beteiligung und Interesse vor Ort bei möglichen Wärmenetzprojekten.
Das Zielszenario für Wendeburg
- Aus den untersuchten Szenarien wurde ein Zielszenario abgeleitet.
- Für Wendeburg wird eine überwiegend dezentrale Wärmeversorgung als wahrscheinlichster Entwicklungspfad bewertet.
- Das liegt vor allem an der ländlichen Siedlungsstruktur und den vielen Ein- und Zweifamilienhäusern.
- Wärmepumpen und andere erneuerbare Heiztechnologien werden dabei eine zentrale Rolle spielen.
- Wärmenetze können ergänzend dort sinnvoll sein, wo ausreichend Wärmebedarf, geeignete Rahmenbedingungen und lokales Interesse vorhanden sind.
- Besonders in den identifizierten Prüfgebieten können gemeinschaftliche Lösungen weiter untersucht werden.
- Das Zielszenario ist keine starre Vorgabe.
- Es dient als strategische Orientierung für die nächsten Schritte der Wärmewende in Wendeburg.
Kurzfazit
- Wendeburg braucht beim Heizungstausch deutlich mehr Tempo.
- Sanierungen helfen, den Wärmebedarf zu senken, ersetzen aber nicht den Umstieg auf erneuerbare Wärme.
- Die wichtigste Zukunftstechnologie wird voraussichtlich die Wärmepumpe sein.
- Wärmenetze können einzelne Gebiete sinnvoll ergänzen, werden aber nicht flächendeckend erwartet.
- Grüne Gase bleiben wegen Kosten und Verfügbarkeit unsicher.
- Das Zielszenario setzt daher auf überwiegend dezentrale erneuerbare Wärmeversorgung, ergänzt durch mögliche gemeinschaftliche Lösungen in geeigneten Bereichen.

