Potenzialanalyse

Potenzialanalyse: Welche Möglichkeiten hat Wendeburg? 

Die Potenzialanalyse zeigt, welche erneuerbaren Energien und Einsparmöglichkeiten in Wendeburg grundsätzlich zur Verfügung stehen. Dabei wurde untersucht, welche Potenziale technisch möglich, tatsächlich nutzbar und realistisch erschließbar sind. 

Wichtig: Nicht jedes theoretisch vorhandene Potenzial kann später auch vollständig genutzt werden. Entscheidend sind unter anderem Flächenverfügbarkeit, Wirtschaftlichkeit, Umwelt- und Naturschutz, technische Voraussetzungen sowie die Nähe zu möglichen Wärmeabnehmern 

Energetische Sanierung ist ein zentraler Hebel 

  • Durch energetische Sanierungen kann der Wärmebedarf in Wendeburg deutlich sinken. 
  • Je mehr Gebäude saniert werden, desto weniger Wärme muss künftig klimaneutral bereitgestellt werden. 
  • Bei einer jährlichen Sanierungsrate von 1 Prozent kann der Wärmebedarf der Wohngebäude bis 2040 um rund 11 Prozent reduziert werden. 
  • Bei einer deutlich höheren Sanierungsrate von 5 Prozent wäre rechnerisch eine Reduktion um rund 34 Prozent möglich. 
  • Besonders wichtig sind ältere Gebäude mit hohem Wärmebedarf. 
  • Für Eigentümerinnen und Eigentümer bedeutet das: Wer frühzeitig plant, kann Sanierung, Heizungstausch und mögliche Fördermittel besser aufeinander abstimmen. 

Photovoltaik auf Dächern bietet großes Strompotenzial 

  • Photovoltaik erzeugt Strom, keine Wärme. 
  • Trotzdem ist PV für die Wärmewende wichtig, weil künftig mehr Wärme über Strom bereitgestellt wird, zum Beispiel durch Wärmepumpen. 
  • Auf geeigneten Dachflächen in Wendeburg besteht ein nutzbares Stromerzeugungspotenzial von rund 49 Gigawattstunden pro Jahr. 
  • Bereits heute sind Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von rund 11,2 Megawatt installiert. 
  • Diese Anlagen erzeugen derzeit rund 8,8 Gigawattstunden Strom pro Jahr. 
  • Das zeigt: Es gibt bereits einen sichtbaren Ausbau, aber auch noch weiteres Potenzial. 
  • Batteriespeicher gewinnen ebenfalls an Bedeutung, weil sie helfen können, selbst erzeugten PV-Strom besser vor Ort zu nutzen. 

Freiflächen-Photovoltaik kann zusätzlichen erneuerbaren Strom liefern 

  • Neben Dachflächen können auch Freiflächen für Photovoltaik genutzt werden. 
  • Das technische Potenzial für Freiflächen-Photovoltaik liegt bei rund 88 Gigawattstunden Strom pro Jahr. 
  • Derzeit sind im Gemeindegebiet keine Photovoltaik-Freiflächenanlagen installiert. 
  • Freiflächenanlagen können viel Strom erzeugen, stehen aber immer im Spannungsfeld mit Landwirtschaft, Landschaftsbild, Naturschutz und Flächenverfügbarkeit. 
  • Die dargestellten Potenzialflächen bedeuten nicht automatisch, dass dort Anlagen gebaut werden dürfen. 
  • Für konkrete Projekte wären weitere Planungs- und Genehmigungsschritte notwendig. 

Hinweis: Die dargestellten Potenzialflächen für PV-Freiflächenanlagen begründen kein Baurecht. 

Windkraftpotenzial ist derzeit weitgehend ausgeschöpft 

  • Windenergie erzeugt Strom und kann die Wärmewende indirekt unterstützen. 
  • Im Gegensatz zur Photovoltaik liefert Windkraft gerade im Winterhalbjahr häufig höhere Erträge – also dann, wenn auch der Wärmebedarf steigt. 
  • In Wendeburg sind bereits Windenergieanlagen mit einer Leistung von rund 3,9 Megawatt installiert. 
  • Diese erzeugen etwa 6,8 Gigawattstunden Strom pro Jahr. 
  • Das nutzbare Potenzial wird im Rahmen der Untersuchung als ausgeschöpft bewertet. 
  • Weitere Entwicklungen hängen von übergeordneten Planungen und möglichen künftigen Änderungen der Raumordnung ab. 

Solarthermie kann Wärme direkt erzeugen 

  • Solarthermie nutzt Sonnenenergie nicht zur Stromerzeugung, sondern direkt zur Wärmeerzeugung. 
  • Auf Dachflächen kann Solarthermie vor allem die Warmwasserbereitung und die Heizung unterstützen. 
  • Das nutzbare Potenzial der Dachflächen-Solarthermie liegt bei rund 29 Gigawattstunden Wärme pro Jahr. 
  • Das entspricht bilanziell etwa 21 Prozent des heutigen Endenergiebedarfs für Wärme in Wendeburg. 
  • Wegen der saisonalen Unterschiede kann Solarthermie eine Heizung meist nicht vollständig ersetzen. 
  • Besonders im Sommer ist das Angebot hoch, während der Wärmebedarf im Winter am größten ist. 

Freiflächen-Solarthermie kann für Wärmenetze interessant sein 

  • Solarthermie auf Freiflächen kann erneuerbare Wärme für Wärmenetze bereitstellen. 
  • Besonders sinnvoll ist sie dort, wo geeignete Flächen nah an größeren Wärmeabnehmern liegen. 
  • Das technische Potenzial liegt deutlich höher, aber realistisch nutzbar sind vor allem Flächen in räumlicher Nähe zum Wärmebedarf. 
  • Für Wendeburg wurde ein nutzbares Potenzial von rund 11 Gigawattstunden Wärme pro Jahr ermittelt. 
  • Das entspricht bilanziell etwa 8 Prozent des heutigen Endenergiebedarfs für Wärme. 
  • Freiflächen-Solarthermie kommt vor allem in Kombination mit Wärmespeichern und weiteren Wärmeerzeugern infrage. 

Biomasse ist vorhanden, aber nur eingeschränkt realistisch nutzbar 

  • Für Biomasse wurde ein technisches Potenzial von rund 38 Gigawattstunden Wärme pro Jahr ermittelt. 
  • Der größte Anteil stammt rechnerisch aus landwirtschaftlicher Biomasse. 
  • In der Praxis ist die Nutzung jedoch mit Unsicherheiten verbunden. 
  • Gründe sind unter anderem Flächenkonkurrenz, Nachhaltigkeitsanforderungen und wirtschaftliche Rahmenbedingungen. 
  • Ein Neubau größerer Biogasanlagen wird als eher unwahrscheinlich eingeschätzt. 
  • Zukünftige Chancen liegen eher in Reststoffen, Wirtschaftsdüngern wie Gülle und Mist oder in der sinnvollen Wärmenutzung bestehender Anlagen. 

Wärmepumpen und Umweltwärme haben das größte praktische Potenzial 

  • Umweltwärme umfasst Wärme aus der Luft, dem Erdreich oder Gewässern. 
  • Diese Wärmequellen können mithilfe von Wärmepumpen nutzbar gemacht werden. 
  • Besonders Luft-Wärmepumpen haben in Wendeburg ein sehr großes rechnerisches Potenzial. 
  • Das nutzbare Potenzial für Luftwärme liegt bei rund 138 Gigawattstunden pro Jahr. 
  • Damit könnte der heutige Endenergiebedarf für Wärme bilanziell nahezu vollständig gedeckt werden. 
  • Auch oberflächennahe Geothermie, also Erdwärme, bietet ein relevantes Potenzial. 
  • Das nutzbare Potenzial für Erdwärmepumpen liegt bei rund 83 Gigawattstunden pro Jahr. 
  • Erdwärme ist effizient, aber in der Umsetzung oft aufwendiger und teurer als Luftwärme. 
  • Einschränkungen können sich zum Beispiel durch Grundstücksgröße, Schutzgebiete oder technische Anforderungen ergeben. 

Gewässerthermie ist nur in Einzelfällen interessant 

  • In Wendeburg gibt es kleinere Gewässer, die Oker, den Mittellandkanal, den Stichkanal Salzgitter sowie die Marina Bortfeld. 
  • Rein theoretisch wäre Gewässerthermie teilweise denkbar. 
  • Für größere, wirtschaftlich tragfähige Wärmelösungen fehlen jedoch vielfach die passenden Voraussetzungen. 
  • Dazu gehören ausreichende Wassertiefe, Wasservolumen, ökologische Verträglichkeit, technische Machbarkeit und Genehmigungsfähigkeit. 
  • Deshalb wird Gewässerthermie für die übergeordnete kommunale Wärmeplanung derzeit nicht als zentrales Potenzial bewertet. 
  • Einzelne Standorte könnten bei konkretem Projektinteresse gesondert geprüft werden. 

Abwasserwärme und Abwärme spielen kaum eine Rolle 

  • Für Abwasserwärme aus Leitungen fehlen derzeit belastbare Daten zu den erforderlichen Abwassermengen. 
  • Aufgrund der Siedlungsstruktur wird das nutzbare Potenzial insgesamt als gering eingeschätzt. 
  • Eine Nutzung von Abwasserwärme an Kläranlagen ist nicht möglich, da es im Gemeindegebiet keine Kläranlage gibt. 
  • Auch unvermeidbare Abwärme aus Gewerbe oder Industrie steht derzeit nicht in relevantem Umfang zur Verfügung. 
  • Für die kommunale Wärmeplanung ergibt sich daraus aktuell kein größeres nutzbares Potenzial. 

Tiefengeothermie ist grundsätzlich vorhanden, aber derzeit nicht naheliegend 

  • Für Teile des Gemeindegebiets bestehen grundsätzlich geologische Potenziale für Tiefengeothermie. 
  • Die Erschließung wäre jedoch mit hohen Investitionskosten, technischen Risiken und umfangreichen Genehmigungsverfahren verbunden. 
  • Besonders für kleinere Gemeinden ist die Umsetzung solcher Projekte anspruchsvoll. 
  • Deshalb wird Tiefengeothermie eher als langfristige Option betrachtet, die nur mit vertiefenden Machbarkeitsstudien weiter bewertet werden könnte. 

Wasserstoff ist für die Gebäudeheizung derzeit keine tragfähige Lösung 

  • In Wendeburg gibt es aktuell kein Wasserstoff-Verteilnetz. 
  • Für das bestehende Erdgasnetz liegen keine veröffentlichten Transformationspläne zur Umstellung auf Wasserstoff vor. 
  • Das geplante Wasserstoffkernnetz verläuft zwar in räumlicher Nähe zur Gemeinde. 
  • Für die Wärmeversorgung von Gebäuden wird Wasserstoff derzeit aber nicht als realistische Option bewertet. 
  • Ein Wasserstoffnetzgebiet wird daher im Rahmen der kommunalen Wärmeplanung nicht ausgewiesen. 
  • Für mögliche industrielle Anwendungen kann Wasserstoff langfristig trotzdem relevant werden, wenn sich die Rahmenbedingungen ändern. 

Fazit der Potenzialanalyse 

  • Wendeburg verfügt über verschiedene Potenziale für erneuerbare Energien. 
  • Der wichtigste Hebel ist die Kombination aus Energieeinsparung, Gebäudesanierung und erneuerbarer Wärme. 
  • Für viele Gebäude werden dezentrale Lösungen eine große Rolle spielen, insbesondere Wärmepumpen. 
  • Photovoltaik kann die Wärmewende indirekt unterstützen, indem sie erneuerbaren Strom bereitstellt. 
  • Nicht alle Potenziale sind automatisch umsetzbar. Für konkrete Projekte sind weitere Prüfungen, Planungen und Genehmigungen erforderlich. 

Mats Kampmann
Fachdienst „Bau und Planung“,
Gemeinde Wendeburg

Pascal Klons
Projektbearbeiter,

Zukunfts[planungs]werk
(beratendes Büro)